Ich erlebe es häufig das im Alltag Komplexität und Kompliziert synonym verwendet werden. Beiden Begriffen gleich ist das es eine subjektive Bewertung im Bezug auf den Grad der Komplexität oder der Kompliziert gibt. Folgende passende Definition habe ich im Netz gefunden:

Komplexität ist dann gegeben, wenn sich die Eigenschaften einer Sache oder eines Systems nicht aus den Eigenschaften der Einzelteile oder Systemkomponenten ergeben, bestimmt werden können oder vorhersagen lassen.  

im Gegensatz dazu findet man bei Kompliziertheit folgendes:

Kompliziertheit entsteht aber nur durch den (impliziten) Vergleich mit nicht komplizierten Dingen.

Für mich spannend wird das ganze Thema wenn es um die Beherrschung und den Umgang mit Komplexität bzw. Kompliziertheit geht. Da habe ich die Erfahrung gemacht das Komplexe Systeme die man nicht ohne weiteres erfassen kann versucht zu visualisieren, was oft bereits sehr hilfreich ist und ich auch empfehlen kann.

Ist es aber nicht so das sich komplexe Systeme insbesondere per Definition sich dadurch auszeichnen das man Sie eben nicht vollends durchschauen kann, nicht ohne weiteres planen kann? Ich will an dieser Stelle nicht das Thema „Komplexitätsmanagement“ vertiefen, empfehle aber jedem Projektmanager im speziellen in der IT- und Softwareentwicklung sich mit diesem Thema zu befassen.

An dieser Stelle möchte ich aber einige Probleme und Fehler benennen die ich in der Vergangenheit beobachten konnte wenn es darum ging Komplexität zu begreifen bzw. zu reduzieren:

1. Keine ausreichende Situationsanalyse

Häufig sieht man nicht nur komplexen Systemen/Problemen gegenüber sondern einher geht häufig auch entsprechender Zeitdruck. Das führt dazu das häufig schnell nach Lösungen gesucht wird ohne eine entsprechende (pragmatische) Situationsanalyse durchzuführen.

2. Vernetztes Denken wird unterschätzt

Akteure die sich komplexen Systemen ausgesetzt sehen, sind oft zu sehr mit sich selbst beschäftigt und sehen nicht wie sich Ihr handeln auf andere auswirkt. Die Vernetzung mit anderen Kollegen und Mitarbeitern auch ausserhalb des Systems wird häufig grundlegend unterschätzt. Erkenntnis: Systematisches Denken bedeutet insbesondere über den Tellerrand schauen und Wechselwirkungen zu verstehen und zu nutzen.

3. Schuldzuweisungen

Häufig wird bei der Arbeit in komplexen Systemen bei auftretenden Problemen davon ausgegangen, dass es einen Schuldigen geben muss. Akteure schieben sich implizit/explizit gegenseitig die Schuld zu.
Wichtige Erkenntnis: Die Dynamik entsteht im System. Häufiger als wir erkennen, werden Krisen durch das System verursacht, nicht durch individuelle Fehler einzelner.

4. Methoden-Falle

Hinterfragen Sie unbedingt Ihre eingesetzten Methoden um komplexe Systeme zu verstehen bzw. Problemen entgegenzuwirken. Welche Methoden setzten Sie bisher ein und welchen Bedarf es um die Komplexität beherrschbar zu machen. Erkenntnis: Der starre Glaube an die verwendeten Methoden ist nicht zielführend.

5. Flucht in neue Projekte

Um sich komplexen Problemen in Projekten zu stellen bedarf es der Zeit die es benötigt um Artefakte, Systemelemente, Wirkungszusammenhänge etc. zu erfassen und auszuwerten. Diese Zeit wird häufig lieber darin investiert um bereits ein neues „Fass“ aufzumachen und sich vlt. dem nächsten weniger komplexen Projekt zu widmen.

6. Ergreifen immer radi­ka­lerer Maßnahmen, wenn Dinge aus dem Ruder laufen.

Das Austauschen von ganzen Teams ist nicht selten ein scheinbar adäquates Stilmittel um den scheinbaren Misserfolg abzuwenden. Doch wie schon unter Punkt 3 erwähnt ist es die Dynamik des Systems die zu scheinbar nicht beherrschbaren Situationen führt und weniger der einzelne Fehler…

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